Bestehende IT-Infrastrukturen des Bildungsbereichs für OER erweitern

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Nachfolgend werden bestehende IT-Infrastrukturen und Softwareanwendungen im Bildungsbereich aufgeführt und diskutiert, inwieweit sie bereits für OER geeignet sind und wie sie für OER verbessert werden können.

Lernumgebungen

Lernmanagement-Systeme (LMS) / Lernplattformen

Ist-Stand / Status

Lernplattformen sind in Bildungseinrichtungen bisher die Haupt-E-Learningsysteme. Im Schulbereich wird hauptsächlich Moodle genutzt. Im Hochschulbereich werden hauptsächlich folgende Systeme genutzt:

  • Moodle
  • ILIAS
  • open OLAT
  • OPAL (basierend auf Olat Campus)
  • StudIP

Einige dieser Plattformen verfügen bereits über erste OER-unterstützende Funktionen. Beispiele:

  • Bei ILIAS kann man Inhalte in einen öffentlichen Bereich legen und eine CC-Lizenz festlegen, ihre Metadaten aber noch nicht über LRMI oder OAI publizieren. Lernobjekte können mit LOM-Metadaten ausgezeichnet werden, aber es fehlt die Unterstützung von Vokabularen (z.B. LOM-DE und EAF). CC-Lizenzen sind auswählbar, aber es fehlt ein Assistent zur Unterstützung bei der rechtssicheren Auswahl. Es existiert bereits eine Reihe von Feature Requests für Metadaten.
  • In StudIP einen Content als CC kennzeichnen.
  • OPAL wird in den kommenden Monaten Funktionen erhalten, die eine Auszeichnung von Dokumenten, Kursen, Wikis etc. mit Verwertungslizenzen (darunter zählen ja auch OER-Lizenzvorlagen) möglich macht. Einen entsprechenden Katalog für Lizenzen werden vorr. als stand alone Service realisiert, so dass dieser auch in anderen Anwendungsprogrammen eingesetzt werden könnte.

Oft sind diese bestehenden Funktionen "erste" Lösungen, die in Funktionsumfang und Umsetzung noch nicht an die OER-Services heranreichen.

Empfehlungen

Lernplattformen sollten Funktionen für OER integrieren. Einige Beispiele für

  1. moderne Inhalte-Verwaltung (z.B. Referatory, Repository)
    • Repositorien-Integration: Lernplattformen sollten den Anschluss ein Repositorium unterstützen, in welchem Inhalte professionell (z.B. mit Metadaten, mit Kooperations-, Redaktions- und Workflow-Unterstützung, usw.) verwaltet werden. Hier können Abspielservices für spezifische Dateiformate, Autorenwerkzeuge, Redaktionsabläufe und andere Services zentral zur Verfügung gestellt werden. Solche organisations-zentralen Repositorien können das Content-Sharing über mehrere E-Learning-Anwendungen der Organisation aber auch das Teilen mit anderen Einrichtungen unterstützen.
    • OER-Repositorien-Funktionen direkt im LMS ausbauen : Enthält die Lernplattform ein professionelles Repositorium, sollte dies um OER-förderliche Funktionen erweitert werden. (s. OER-Services)
    • Harvesting-Schnittstelle: Um in der Lernplattform abgelegte oder erstellte offene Lerninhalte und Kurse für andere Anwendungen (z.B. für Lernplattformen, Referatorien, Autorentools) verfügbar zu machen, sollte eine Harvesting-Schnittstelle angeboten werden (OAI)
  2. Metadatenservices :
    • Bei Anlegefunktionen von Kursen oder Inhalten in der Lernplattform sollten Metadaten und Lizenz angebbar sein. Hier kann ein externer Metadateneditor und ein Lizenzassistent eingebunden werden. Alternativ können Funktionen im LMS implementiert werden.
    • Die Nutzung von Inhalten in der Lernplattform sollte Nutzungsmetadaten erzeugen und an den Inhalt angefügen (z.B. wurde im Mathe-Kurs für die 8. Klasse im Kursblock Satz des Pythagoras verwendet)
    • Die Lernplattform sollte so erzeugte Metadaten dem originären Ort der Metadatenverwaltungen dieses Inhaltes zurückschreiben (bspw. wenn der Inhalt aus einem externen Repositorium abgerufen und eingebunden wurde). So kann die Auffindbarkeit des Inhalts kontinuierlich zu verbessert werden.

E-Learning-Tools insbesondere zum individuellen und kooperativen Erstellen von Inhalten

  • Wikis, Blogs
  • E-Portfoliosysteme

Autorenwerkzeuge

Ist-Stand / Status

Genutzt werden lokal auf dem Nutzergerät installierbare Systeme, organisationszentrale Online-Lösungen oder im Internet frei verfügbare Plattformen, zum Beispiel:

  1. lokal installierte Office-Software (z.B. Microsoft Office, LibreOffice)
  2. Online Office-Software (z.B. Google Docs, OnlyOffice)
  3. Interaktive HTML5 Contentlösungen (z.B. H5P)
  4. Video & Vorlesungsaufzeichnung (z.B. OpenCast, Panopto)
  5. Lernplattform-interne Autorenwerkzeuge (z.B. Quizzes, Lernmodul- oder -seiten-Editoren)
  6. E-Test-Editoren (z.B. ONYX, LPLUS, Questionmark - siehe ZKI-Umfrage zum Einsatz von E-Assessment-Lösungen an Hochschulen)

Empfehlungen

Bildungseinrichtungen, insbesondere Schulen, brauchen integrierte und compliance-konforme (d.h. u.a. datengeschützte) E-Learning-Umgebungen. Neben AutorInnen und Lehrenden erstellen zunehmend Lernende in kooperativen Lernprozessen Inhalte.

  • Bei Lernplattform-internen oder an diese angeschlossene organisations-zentral installierte Autorenlösungen lassen sich die Übergänge von der Lernumgebung zum Autorenwerkzeug und zurück medienbruchsarm gestalten. Auch können hier leicht OER-förderliche Funktionen und Services integriert werden (bspw. Metadateneditor, Lizenzassistent, Redaktionsworkflows, Abspielservices für spezielle Formate).
  • Aber auch bei lokal auf den Nutzergeräten installierter Autorensoftware sind die Inhalte direkt in zentralen Content-Management-Lösungen verwaltbar (z.B. Speicherung via WebDAV-Verbindung). Ist dies eine für E-Learning- oder OER-Inhalte optimierte Content-Management-Lösung (z.B. edu-sharing), enthält diese ggf. bereits OER-förderliche Funktionen. Ist es ein Cloud-Speicher (z.B. Owncloud), kann dieses entweder mit einer OER-Referatoriums/Repositoriums-Lösung verbunden oder direkt um OER-Funktionen erweitert werden.
  • Werden Inhalte von lokalen Geräten z.B. via WebDAV in einem zentralen Content-Managementsystem gespeichert, ist es i.d.R. nicht möglich, spezielle Metadaten durch den Nutzer zu erfassen. Hier sollte das verwendete Content-Management möglichst automatisch Metadaten erzeugen. Dies kann neben einer Volltextindizierung und dem Auslesen von Dateiformat-internen Metadaten auch durch Vererbung auf Basis des Ablageordners geschehen. In für OER optimierten Systemen können Redaktionen eine OER-Ablage einrichten und den Ordnern Metadatenvorlagen mitgeben. So würde ein im Ordner "Mathematik 5. Klasse" abgelegter Inhalt automatisch entsprechende Metadaten erben.
  • bei Autorensystemen im Internet (z.B. Prezi, H5P) verbleiben die Inhalte oft in den Onlinesystemen und haben die dort vorgesehenen Metadaten. Die Inhalte werden dann i.d.R. via Link oder Einbettcode in Lernplattformen eingebettet. Diese Links können von Bildungsorganisationen auch in ihren Referatorien oder Repositorien gespeichert und mit weiteren Metadaten angereichert und in Qualitätssicherungsabläufe eingebunden werden. Dadurch ist auch eine integrierte Nutzung in den angeschlossenen E-Learning-Systemen unterstützbar.
  • Ähnlich wie in Lernplattformen werden in Autorenumgebungen auch externe Inhalte eingebunden und interne Inhalte sollten nach außen verfügbar gemacht werden. Daher gelten die gleichen obigen Empfehlungen.

Web-Contentmanagement-Systeme

Web-Contentmanagement-Systeme werden im Bildungsbereich u.a. verwendet für:

  1. Homepages von Professuren und Fachbereichen
    Offen zugängliche Lerninhalte werden oft über die Homepages der Lehrenden oder Fachbereiche verteilt.
  2. E-Learning-Serviceseite der Hochschule
    Die hochschul-zentrale Seite des E-Learning-Service enthält i.d.R. Angebote an Softwaretools, Serviceleistungen und manchmal auch Contents.
  3. Öffentliche Bildungsangebote der Einrichtung
    U.a. aus Werbezwecken bieten einige Bildungseinrichtungen öffentliche Bildungsangebote. Dies sind bspw. MOOCs oder Vorlesungsaufzeichnungen (z.B. OpenLearnWare). Das Land Berlin baut derzeit ein OER-Repositorium auf, in welchem auch weitere Lernmaterialarten öffentlich angeboten werden.

Für Bildungsangebote (3.) werden i.d.R. spezialisierte Systeme genutzt und deren Such- und Stöbernoberfläche in die Webseiten eingebunden. In den anderen Fällen werden Contents im Web-CMS hochgeladen oder verlinkt. Ähnlich wie bei der Einbindung in Lernplattform-Seiten, macht es bisher Zusatzaufwand, die rechtlich vorgeschriebenen Angaben (Urheber, Lizenz) mit einzupflegen. Beim Hochladen von Inhalten entsteht eine Kopie, die bei neuen Versionen aktualisiert werden muss.

Häufig genutzte offene Systeme sind bspw.:

  • Typo3
  • Wordpress
  • Drupal
  • Joomla

Empfehlungen

Repositorien-Integration: Ähnlich der obigen Empfehlung zu Lernplattformen sollten Web-CMS den Anschluss eines Repositoriums unterstützen, in welchem Inhalte professionell (z.B. mit Metadaten, mit Kooperations-, Redaktions- und Workflow-Unterstützung, usw.) verwaltet werden. Aktualisierungen an den Inhalten, Metadaten (also auch rechtlich vorgeschriebenen Angaben) würden sich dann sofort an allen Verwendungsstellen (sowohl in den Lernplattformen als auch im Web-CMS) auswirken.

Bildungsverwaltungssoftware (bspw. Campus-Management)

In Bildungsverwaltungssystemen werden i.d.R. die Identitäten von Lehrenden und Studierenden erfasst. Diese fließen anschließend in zentrale Verzeichnisdienste. Auch Kursangebote und Kurseinschreibungen werden hier originär verwaltet. Meist werden diese Informationen in E-Learning-Systemen redundant erfasst, nur manchmal wurde eine automatische Synchronisierung geschaffen. Lerninhalte oder E-Learning-Tools werden eher nicht über das Campus-Management genutzt. Lösungen, wie die Campus Source Engine, haben sich eher nicht durchgesetzt. Eine Integration von Content- und E-Learning-Tool-Angeboten erfolgt bisher eher über die E-Learning-Systeme, wie Lernplattformen.

Empfehlungen

Eine Integration von OER-Lösungen mit Bildungsverwaltungslösungen scheint derzeit nicht so dringend, wie die Integration mit E-Learning-Systemen. Eine zentrale Pflege von Identitäten ist jedoch Voraussetzung eine medienbruchsarme Vernetzung von E-Learning- und OER-Services. Hier ist der Hochschulbereich gut aufgestellt. Im Schulbereich wird an landeszentral-integriert nutzbaren IDM-Lösungen oft noch gearbeitet. Da OER-Lösungen aus Aufwandsgründen eher nicht je Schule sondern eher landeszentral implementiert werden sollten, ist eine entsprechende IDM-Lösung wichtige Grundlage, zumindest für AutorInnen und Redakteure.

Anwendungen zur Verwaltung von Contentquellen

Die hier gelisteten Repositorien sind nicht explizit auf OER, sondern Open Access ausgelegt. Damit trotzdem die bisherige Infrastruktur in unserem Sinne mitgenutzt werden kann, sind sie der Vollständigkeit wegen aufgeführt.

Bibliothekssysteme

Fedora und Dspace sind weltweit in Bibliotheken und Universitäten bereits seit langem im Einsatz und bieten Schnittstellen für's Metadata Harvesting. Diese sind zusätzlich in die Infrastruktur der Digital object identifier eingebunden und ermöglichen dadurch sowohl die Verknüpfung mit Metadaten und verbessern die Zitierbarkeit maßgeblich. Zusätzlich wird bei solchen Objekten die Langlebigkeit hochgehalten, da diese immer über deren DOI wiedergefunden werden sollen.

Da die DOI im akademischen Bereich bereits lange etabliert ist und auch die Attributierung und Referenzierung erleichtert, wird die Infrastruktur auch in Zukunft aufrechterhalten. Ein Beispiel für einen schon bestehenden Rückkanal auf dieser Infrastruktur ist altmetric (Beispiel).

(OER-)Repositorien

Bestehende Umgebungen entstenden im Normalfall durch die Bedürfnisse für Open Access, können aber auch trotzdem für OER-Materialien genutzt werden:

figshare bietet für einzelne Nutzer kostenlose Datenhaltung und bietet gleichzeitig bezahlte Dienstleistungen für Institute, die kein eigenes Institutionelles Repositorium verwalten möchten.

Die Registry of Research Data Repositories ermöglicht einen Überblick und viele Filterfunktionen um bereits bestehende Repositorien zu finden.

Anwendungen zur Datei- / Contentverwaltung von Nutzern

Repositorien, Dokumentenmanagement-Systeme

Cloudspeicher

Dateiablagen

Bookmarking, Linkverwaltung, Sammlungen

Zentrale Portale

  • eteaching.org
  • OERinfo-Portal
  • OER-Worldmap
  • OER-Contentbuffet

Querverweis: für OER nutzbare Services